Der Kult.

Vor einer Weile habe ich Lisa kennengelernt. Hab sie gesehen und gedacht: 'Blondierte Bitch'. Da ich allerdings auch etwas Mitleid hatte, weil sie später in unsere FSJ-Gruppe kam und wir uns untereinander schon alle kannten, habe ich sie ein bisschen aufgenommen. Und gemerkt, dass sie so ganz anders ist, als ich gedacht habe. Tatsächlich ist sie mir so ähnlich, dass ich es kaum fassen kann.

Gestern Abend, 19 Uhr:
Komme vor dem Haus an und steige aus. Befördere dabei erstmal eine Glasflasche Richtung Asphalt. Nicht kaputt zum Glück. Der schöne Alkohol. Sie öffnet mir die Tür; wir sind hart verliebt.

Gestern Abend, 20 Uhr:
Der Alkohol fließt. Ich trinke Zwischenrunden. Wir machen uns fertig zum feiern.

Gestern Abend, 22 Uhr:
Lisas Vater hat uns hingefahren. Die Straße klebt voller Kaugummi. Es ist nass und kalt. Wir stehen auf der Gästeliste und können an der Schlange vorbei, die um diese Uhrzeit doch eher kurz ist.
Innen ist noch nicht viel los. Mein Pegel ist konstant.

Gestern Abend, zwischen kommen und gehen:
Es ist laut und eng. Man tritt überall in Scherben. Die Luft ist unerträglich stickig. Mir ist extrem heiß. Dicht an dicht drängen sich die Leute; Körperkontakt. Das Stroboskop bricht die Realität. Bruchstückhaft erkennt man, was gerade passiert. Es fühlt sich so unendlich fremd an. Als würde man gar nicht mittendrinn sein; als wäre man weit, weit weg davon.
Manche Leute scheinen nur noch zu stehen, weil nicht genug Platz zum fallen ist. Der künstliche Nebel ist kühler als die restliche Luft.
Wir bewegen uns zwischen den Theken. Dann sehe ich ihn. Möchte aber nicht mit ihm sprechen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Heute Morgen, 02 Uhr:
Ein Freund von Lisa holt uns ab. Erstmal zu Mekkes. Die Show, die uns dort geboten wird, ist unfassbar. Zwischen betrunkenen Idioten und 13jährigen Mädchen in Partyoutfit. Das Spektakel geben wir uns bis kurz nach vier.

Heute Morgen, 04.30 Uhr:
Wir sind zu Hause. Nach einigem hin und her liegen wir gemeinsam im Bett. Reden noch ein bisschen Quark und haben einen Heidenspaß dabei. Obwohl ich sonst nie gut einschlafen kann, falle ich direkt in Tiefschlaf.

13.8.15 21:08, kommentieren

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Flashback.

Immer wenn es regnet, muss ich an dich denken.
Wie wir uns begegnen, kann mich nicht ablenken.
Nass bis auf die Haut, so stand sie da,
um uns war es laut, und wir kamen uns nah.
Immer wenn es regnet, muss ich dich denken
Wie wir uns begegnet sind, kann mich nicht ablenken
Nass bis auf die Haut, so stand sie da.

Ein Flashback. Durch einen Geruch; eine Situation zurück geworfen in die Vergangenheit.
Gewisse Dinge, die man mit jemandem oder einer Erinnerung assoziiert.
Manchmal bin ich danach tagelang durch den Wind.

Erinnert mich der Geruch von Himbeeren doch unwillkürlich an jemanden, für den ich einmal viel empfunden habe. Nicht auf romantische Weise. Sondern eher so, dass ich jemanden getroffen habe, der mir in diesem Moment meines Lebens sehr ähnlich war. Doch genauso schnell war diese Verbindung auch wieder weg. Zugegebenermaßen in der frühen Pubertät. Aber doch intensiv genug, um mich heute noch daran zu erinnern. Gleichzeitig melancholisch und unbeschwert. Damals wohnte meine Mutter noch in Berlin. Vor zwei Jahren war ich im Auto unterwegs, als ich 'Schönste Zeit' von Bosse gehört habe. Darin kommt die Zeile vor: 'Und Berlin war wie Nw York - ein meilenweit entfernter Ort. [...] Kein Augenblick, kein Moment kann sich je wiederholen. Wir können nicht zurück und warum sollten wir auch?'.

Oder: wenn auf einen richtig heißen Tag im Sommer ein Gewitter folgt. Muss ich unwillkürlich daran denken, wie meine jüngere Cousine und ich unseren ersten Sommer als Nachbarn verbracht haben, als die Straßen staubig waren und es plötzlich einen Wolkenbruch gab. Die trockene Erde in den Gullis hinderte das Wasser daran, abzufließen. Also staute es sich auf den Straßen unserer Stadt. Und wir beide, acht und zehn Jahre alt, liefen barfuss durch das braune Wasser, während der Regen unerbitterlich vom Himmel kam. Die Luft kühlte schnell ab; das Wasser war warm. Von der Hitze der Straßen.

Solche Erinnerungen sind für mich persönlich wesentlich wichtiger als Fotos. Irgendwie habe ich dann den Eindruck, dass ich es mir besser merken kann. Der Moment irgendwie erhalten bleibt. - sprach die Selfiekönigin.

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