Als ich heute morgen aufwachte, war ich ein bisschen konfus. Ich habe etwas entschieden und war mir nicht sicher, ob ich es so hatte entscheiden wollen. Doch habe ich mittlerweile ein zweifelsfrei gutes Gefühl dabei.
Gerade blogge ich offline, was sich natürlich nicht auf jetzt bezieht, sondern auf vorhin, als ich diese Zeilen festgehalten habe. Mit Stift und Papier, wie man das damals so machte.
Ich habe beschlossen mir die Umgebung, in der ich seit fast einem Jahr wohne, nun einmal von Nahem anzusehen.

Der Weg ist geteert; seltsam für einen Feldweg. Die Luft riecht nach Frühling. Und Weißdorn. Ein süßlich-intensiver Geruch, der beinahe etwas aufdringlich scheint. Doch der sanfte Nordostwind mildert es ab. Allerdings trägt selbiger auch die Schuld daran, dass es viel zu kalt ist, um ohne Jacke unterwegs zu sein. Schade eigentlich. Der Adel war zwar schon immer blass, wie man so schön sagt, allerdings bräuchte es mittlerweile beinahe ein neues Wort dafür, um angemessen zu beschreiben, wie blass ich wirklich bin.
Um mich herum ist es angenehm still. Auf der entfernten Bundesstraße sehe ich Autos fahren, deren Geräusch kaum hörbar ist. Ich höre auch lieber den Vögeln zu.
Der gesamte Ort ruht in der Mittagssonne. Ich kann auch von hier noch die gigantischen Linden sehen, die sich über das Schloss empor heben. Der Sturm vor einigen Jahren hat fast den gesamten Schlossforst dem Erdboden gleich gemacht. So aber nicht diese Linden.

Ich bin ein Stück weiter gelaufen. Bis zum Waldrand. Ich hätte vorhin kaum geglaubt, dass ich mich bis hier hoch quälen würde, denn der Weg ist recht steil. Ich bin jetzt so weit von der Ortschaft entfernt, dass ich die Linden nicht mehr erkennen kann.
Das dunkle grün der Tannen bricht mit dem frischen sommerlichen grün der Buchen, die gerade ihre Blätter bekommen haben.

Meine Gedanken schweifen ab.
Ich hatte gestern eine unerfreuliche Interaktion mit dem Musiker. Ich habe keinen Schimmer, ob es wieder in Ordnung ist.

Aus dem Dorf steigt Rauch auf. Von der Kirche aus habe ich darauf geschlossen, dass es weit weg von meinem Haus ist. Keine Notwendigkeit in Panik auszubrechen.
Außerdem bemerke ich plötzlich, wie unleserlich meine Handschrift geworden ist. Jetzt mache ich tatsächlich der svensson'schen Sauklaue alle Ehre. Wobei meine jüngste Tante und mein Opa dort zweifelsfrei den Titel verteidigen. Gut für mich, dass ihr mich online lest. Sonst könntet ihr maximal Hieroglyphen raten.

Durch den Aufstieg hier hoch ist mir heiß geworden. Hier gibt es gerade auch keine Bäume, die ihre Schatten auf mich werfen. Nachher habe ich sicherlich Sonnenbrand. Trotzdem habe ich meine Jacke ausgezogen. Die Sonne und der laue Wind fühlen sich fantastisch an. Ich war lange nicht mehr so entspannt.
Im Westen erhebt sich der Wald auf einem Hügel. Die Laubbäume scheinen die einzelnen Tannen zu verschlucken.
Ich empfinde es, als wäre ich nicht hier, sondern irgendwo, wo ich eine Fremde bin. Nicht auf schlechte Weise. Eine Fremde in der Fremde. Wie gerne würde ich einfach gehen, aber doch gibt es so viel, dass mich hier hält.
Und ich schaue in die Ferne. Ich wünschte, dieser Moment würde ewig dauern.