Ich kam aus der Stadt. Zwischen Feldern und Bäumen schlängelt sich die Straße ihren Weg hinunter.Die Sonne taucht den Himmel in ein sanftes Gelb. Die Regenwolken brechen diesen Anblick und geben ihm etwas unheilvolles. Der Raps steht in voller Blüte.

Aus irgendeinem Grund erinnert mich der Geruch des Rapses seit jeher an den Tod. Nicht zu Unrecht sagt man, dass die Verwesung leicht süßlich riecht. Auf ihre ganz eigene Art und Weise. Genauso habe ich es empfunden. Nicht so, wie andere Menschen, die sich davor zu ekeln scheinen, wenn sie es riechen. Allerdings hat der Tod mich schon immer sehr fasziniert; kamen mir bekannte Menschen so unendlich fremd nach ihrem Ableben vor, dass ich wusste, dass sie endgültig diese Gefilde verlassen hatten. Doch fremde Menschen nahm ich anders wahr. Weniger unheimlich.

Die Sonne verschwand gänzlich. Ich hatte es nicht bemerkt. Stand immer noch an derselben Stelle, wie vor Stunden. Der Duft des Todes lag mir immer noch in der Nase. Der Wind trug ihn gen Süden.
Absurd, dass ich soetwas dachte. In Mitten der blühenden Natur, die gerade aus dem erbarmungslosen Winterschlaf erwacht war.

Ich dachte einen Moment über mich selber nach. Wie sehr ich mich verändert hatte seit meiner Kindheit. Ich hatte gelernt ein anderes ICH vorzutäuschen und beschlossen es nicht zu nutzen.
Einige Leute, die immer mal wieder meinen Weg kreuzen, warfen mir des Öfteren meine schroffe, motzige Art vor. Doch, wie kommt es eigentlich, dass niemand reflektiert wie so etwas sein kann? Bei jemandem, der ansonsten normal erscheinen mag.
Vielleicht war es nicht sehr leicht ohne Eltern aufzuwachsen. Vielleicht war es noch schwieriger aufzuwachsen und zu wissen, dass es sie zwar gibt, aber sie nicht da sind. Vielleicht hatte ich weniger Zeit Kind zu sein als gut für mich war. Vielleicht liegt es an genetisch bedingten autistischen Zügen. Vielleicht an der damit einhergehenden sozialen Inkompetenz gepaart mit hoher Intelligenz. Vielleicht nicht.
Jedenfalls habe ich es über die Jahre perfektioniert, jemand zu sein, der ich nicht bin. Mein falsches ICH.
Doch mit den Jahren kam auch die Erkenntnis, dass ich dafür nicht willenlos genug bin. Und so begann ich, mein falsches ICH zu zerstören. Die Spiegel, die jedem genau das entgegenwarfen, was sie sehen wollten.

Und so stehe ich hier; im Duft des Todes.